Wie entwickelt man Lernmaterial, das die Realität der Jugendarbeit wirklich widerspiegelt? Man entwickelt es gemeinsam mit den Menschen, die sie später nutzen werden.
Das war die zentrale Idee hinter dem nationalen Kaleidoscope-Pilotworkshop, der von ALO Ísland in Island ausgerichtet wurde: Jugendarbeiter*innen und Praktiker*innen aus der Communityarbeit kamen in Reykjavík zu einem Tag voller Kreativität, Zusammenarbeit und gemeinsamem Lernen zusammen. Der Workshop markierte einen wichtigen Schritt auf dem Weg von Kaleidoscope, indem er Forschung und Ideen in praktische Erfahrungen übersetzte und dabei wertvolle Erkenntnisse sammelte, die das finale Kaleidoscope Arts Toolkit prägen werden.
Lernen durch Gestalten
Im Laufe des Tages durchliefen die Teilnehmenden sechs interaktive Module zu den Themen Arts-Based Engagement Ethnography (ABEE), kulturelle Kompetenz, digitale Kunst und Technologie, traumasensible Ansätze, Inklusion und soziale Integration sowie Konfliktlösung. Jede Aktivität lud die Jugendarbeiter*innen dazu ein, sich kreativ mit Musik, Poesie, bildender Kunst, Theater und Storytelling auseinanderzusetzen, und regte Gespräche über Identität, Zugehörigkeit, Teilhabe und Gemeinschaft an.
Die Atmosphäre war bewusst informell und partizipativ gestaltet. Jede Aktivität bot nicht nur die Gelegenheit, die Methodik selbst zu erleben, sondern auch zu überlegen, wie sie an die eigene Organisation und die jungen Menschen, mit denen man arbeitet, angepasst werden könnte.
Unterschiedliche Perspektiven, gemeinsames Lernen
Eine der Stärken des nationalen Workshops war die Vielfalt der Gruppe. Die Teilnehmenden vertraten Organisationen, die mit ALO Ísland zusammenarbeiten, darunter das Icelandic Red Cross, Reykjavík Fringe Festival, Community for All sowie Organisationen, die Menschen mit Behinderungen unterstützen – jeweils mit eigenen Erfahrungen in der Arbeit mit jungen Menschen und lokalen Communitys.
Diese Vielfalt erwies sich schnell als eine der größten Stärken des Tages. Die Gespräche bewegten sich ganz natürlich zwischen unterschiedlichen kulturellen Perspektiven, beruflichen Erfahrungen und kreativen Ansätzen und zeigten, dass es nicht einen einzigen richtigen Weg zu sinnvoller Jugendteilhabe gibt.
Das Toolkit gemeinsam gestalten
Besonders wertvoll am nationalen Pilotworkshop in Island war, dass jede Aktivität mit einer offenen Reflexion abschloss. Die Teilnehmenden besprachen, was ansprechend war, was für unterschiedliche Gruppen herausfordernd sein könnte und wie die Aktivitäten noch zugänglicher und inklusiver gestaltet werden könnten.
Ihr Feedback ging weit über kleine Anpassungen hinaus. Die Teilnehmenden empfahlen, die Sprache rund um Diversität und Inklusion zu vereinfachen, praxisnähere Anleitungen zur Moderation bereitzustellen, Erdungstechniken in emotional sensible Übungen einzubauen und zusätzliche Werkzeuge zur Deeskalation von Konflikten anzubieten. Zudem betonten sie die Bedeutung von Flexibilität, da Aktivitäten an unterschiedliche kulturelle Kontexte, Sprachen und Erfahrungsstufen anpassbar sein sollten.
Mehr als ein Pilotprojekt
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Tages war, dass Kreativität Verbindung schafft.
Ob durch Musik, Bewegung, Storytelling oder bildnerischen Ausdruck – die Jugendarbeiter*innen erlebten, dass künstlerische Methoden Gespräche eröffneten, die sonst nur schwer in Gang gekommen wären. Die Aktivitäten förderten Empathie, Neugier und Zusammenarbeit und schufen gleichzeitig Raum für alle, sich auf eine Weise einzubringen, die sich für sie natürlich anfühlte.
Diese Erfahrungen fließen nun gemeinsam mit den Ergebnissen der nationalen Piloten in den anderen Partnerländern in die Weiterentwicklung des Kaleidoscope Arts Toolkit ein.
Ausblick
Indem Kaleidoscope Praktiker*innen zusammenbringt, um zu experimentieren, zu reflektieren und voneinander zu lernen, entsteht weiterhin ein Toolkit, das praxisnah, inklusiv und anpassbar an vielfältige Jugendarbeitskontexte in ganz Europa ist. Das Feedback, die Ideen und die Kreativität, die in Reykjavík geteilt wurden, werden nun gemeinsam mit den Erfahrungen aus den anderen Partnerländern dazu beitragen, das finale Kaleidoscope Arts Toolkit zu gestalten. Gemeinsam sorgen diese Beiträge dafür, dass das Toolkit nicht nur auf Forschung, sondern auch auf den Menschen basiert, die es täglich nutzen werden, um junge Menschen dabei zu unterstützen, sich auszudrücken, Verbindungen aufzubauen und ein Gefühl von Zugehörigkeit zu finden.
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